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Du nutzt KI, um produktiver zu sein. Warum fühlst du dich dann erschöpfter als je zuvor? Dieses Paradox hat inzwischen einen Namen: KI-Müdigkeit.
Intro: Was es mit der Müdigkeit auf sich hat
In den letzten Monaten habe ich eine Beobachtung gemacht, die ich immer häufiger höre. Menschen produzieren mehr als je zuvor. Mehr Texte. Mehr Bilder. Mehr Videos. Mehr Marketingmaterial.
Und trotzdem fühlen sich viele ausgelaugter als früher.
Allein wenn du auf die Seite KI-Suche.io gehst, wirst du feststellen, dass es mittlerweile mehr als 10.000 Tools gibt. Und gefühlt erscheint außerdem jede Woche ein neues Modell oder ein neues Feature.
Claude Cowork.
Nano Banana 2.
Gemini 3.
Weitere werden folgen.
Sobald du die neuesten Möglichkeiten ausprobierst – zum Beispiel, dass Claude inzwischen auch auf deinen Desktop zugreifen kann und wie ein virtueller Assistent für Ordnung sorgt – bist du zunächst völlig geflasht von diesen neuen Arbeitserleichterungen.
Es liegt schließlich in der menschlichen Natur, sich nicht übermäßig anstrengen zu wollen und nach dem kürzesten Hebel zu suchen, der uns die nervigste Arbeit abnimmt.
Es gibt jedoch nur ein gewaltiges Problem dabei:
KI-Müdigkeit ist real.
Denn jede Abkürzung, die du dank KI in deiner Arbeit wählst, wird von einer steilen Lernkurve begleitet.
Nicht jedes Modell und jedes Werkzeug ist sofort einsatzbereit. Du musst es erst testen. Und die Zeit, die du vorher eingespart hast, investierst du nun zusätzlich in permanente Weiterbildung.
Es ist fast so, als würdest du immer gehetzter arbeiten – während du gleichzeitig von Produktivität sprichst.
Ich möchte daher in diesem Essay ehrlich über dieses Phänomen sprechen. Ich werde dir keine schwindelerregenden Workflows präsentieren, mit denen du in nur einem Jahr wie Coral Hart 200 Bücher veröffentlichst.
Stattdessen sprechen wir darüber, wie du KI produktiv nutzt, ohne dich zu überfordern.
Infobox: Ursprung der Debatte
Dieser Beitrag wurde durch einen Artikel des Entwicklers Siddhant Kharre inspiriert. Darin schreibt er über ein Paradox, das viele Menschen erleben, die täglich mit KI arbeiten.
Kharre berichtet, dass er im letzten Quartal mehr Code geschrieben hat als in jedem anderen Quartal seiner Karriere. Klingt zunächst nach einem Erfolg. Gleichzeitig fühlte er sich jedoch ausgelaugter als jemals zuvor.
Dieses Paradox lässt sich längst nicht nur auf Entwickler übertragen. Es betrifft viele Berufsgruppen, die intensiv mit KI arbeiten.
Du bist Geschäftsführer und nutzt KI für Analysen und Entscheidungen.
Du bist Designer und erstellst Bilder oder Videos.
Du bist Copywriter und schreibst Texte.
Der Begriff dafür hat sich inzwischen etabliert: KI-Müdigkeit, auch bekannt als AI Fatigue. Gemeint ist damit eine Form geistiger Erschöpfung, Überforderung und nachlassender Begeisterung im Umgang mit der allgegenwärtigen künstlichen Intelligenz.
KI-Müdigkeit und das Parkinsonsche Gesetz
Bereits 1955 formulierte der britische Historiker Cyril Northcote Parkinson eine Beobachtung, die später als Parkinsonsches Gesetz bekannt wurde:
Arbeit dehnt sich in genau dem Maß aus, wie Zeit für ihre Erledigung zur Verfügung steht.
Wenn du zwei Tage für eine Aufgabe hast, dauert sie zwei Tage.
Wenn du eine Woche Zeit hast, dauert sie eine Woche.
Das Überraschende daran: Dieses Prinzip scheint auch im Zeitalter der künstlichen Intelligenz zu gelten.
Denn eigentlich sollte KI unsere Arbeit schneller machen. Texte entstehen in Sekunden. Bilder in wenigen Minuten. Analysen auf Knopfdruck.
Doch genau hier beginnt das Paradox.
Wenn die Produktion einfacher wird, steigt gleichzeitig die Erwartung an das Volumen. Plötzlich reicht ein Artikel nicht mehr. Es müssen fünf sein. Nicht ein Bild, sondern gleich eine ganze Serie.
KI spart Zeit. Aber genau dadurch wächst der Druck.
Der Manager erwartet viel mehr Output in der gleichen Zeit.
„Mein Mitarbeiter sollte jetzt in derselben Zeit mindestens das Doppelte schaffen. Ich habe gestern erst wieder gelesen, wie schnell KI inzwischen arbeitet.“
Der Kunde verlangt viel mehr Ergebnisse in derselben Zeit.
„Neulich habe ich auf LinkedIn gesehen, dass man einen Blogbeitrag in 20 Minuten schreiben kann. Warum dauert das bei meinem Texter dann so lange?“
Die Erwartungshaltung schießt also durch die Decke.
Über Qualität hat dabei aber noch niemand gesprochen.
KI und die Perfektionismusfalle
Eine meiner Stärken liegt im Denken und Strukturieren. Das ist einerseits gut. Andererseits kann genau diese Stärke auch ins Gegenteil kippen.
Dann feile ich immer weiter an Strukturen. Oder an Texten.
Und wenn du regelmäßig mit KI arbeitest – zum Beispiel mit ChatGPT – kennst du das vielleicht auch. Du kannst dir zwar sagen: Jetzt reicht es. Kein weiterer Vorschlag. Keine weitere Verbesserung.
Für eine gewisse Zeit funktioniert das auch.
Aber das System stellt sich sehr schnell wieder darauf ein, alles weiter optimieren zu wollen.
Noch eine Variante.
Noch eine Formulierung.
Noch eine Erweiterung.
Und genau hier beginnt die Perfektionismusfalle.
Denn wenn du nicht bewusst ein Ende setzt, laufen diese Optimierungsschleifen im Prinzip endlos weiter.
Du musst Regie führen.
Du bist derjenige, der die Ansagen macht. Derjenige, der Entscheidungen trifft. Du bestimmst, wann etwas gut genug ist.
Wenn du mit Menschen zusammenarbeitest, ist es ja auch nicht anders. Du würdest dein Team schließlich auch nicht endlos an einer Aufgabe herumfeilen lassen.
Irgendwann muss jemand entscheiden: Jetzt ist es gut.
Deshalb wird Entscheidungskompetenz in Zukunft zu einer der zentralen Fähigkeiten überhaupt.
Zugespitzt formuliert: Wenn du zwischen 10.000 Werkzeugen und 22 Sprachmodellen auswählen kannst, kann es schnell zu einer Entscheidungsparalyse kommen.
Du musst entscheiden, welches Sprachmodell gerade in der Anwendung am sinnvollsten ist.
Du musst auswählen, mit welcher KI du weiter arbeiten willst.
Und du musst Grenzen setzen und genügend Pausen machen, damit deine Produktivität nicht unter diesem ganzen Wahnsinn leidet.
Nicht die KI trifft diese Entscheidungen. Du.
KI und das industrielle Fließband
„Prompt, warten, Ausgabe lesen, Ausgabe bewerten, entscheiden, ob die Ausgabe korrekt ist, entscheiden, ob die Ausgabe sicher ist, entscheiden, ob die Ausgabe mit der Architektur übereinstimmt.“
So schreibt das der Entwickler Siddhant Kharre in seinem Online-Essay „AI fatigue is real and nobody talks about it“.
Kommt dir diese Art zu arbeiten bekannt vor?
Den gleichen Vorgang kenne ich aus der Geschichte eines Freundes, der mir von einer jungen Frau in einer Werbeagentur erzählte.
Das ist jetzt schon einige Jahre her.
Ihr Job bestand darin, den ganzen Tag Bilder mit Midjourney zu erstellen. Ein früher KI-Job in einer Agentur.
Sie promptete ein Bild. Aber das Ergebnis stimmte noch nicht. Also promptete sie zig Varianten.
Dazwischen überwachte ihr Chef diesen Vorgang immer wieder:
„Warum brauchst du so lange dafür? Das müsste doch eigentlich viel schneller gehen!“
Also nahm sie sich diese Kritik zu Herzen.
Das ist jedoch eine grundsätzlich andere Art von Arbeit und hat zunehmend weniger mit Kreativität zu tun.
Das Erstellen macht Freude.
Das Prüfen ist anstrengend.
Die kreative Arbeit wird zur industriellen Qualitätskontrolle.
Es gibt eine historische Analogie, die für diese Verschiebung von Arbeit sehr aufschlussreich ist.
Anfang des 20. Jahrhunderts ging Frederick Winslow Taylor in Fabriken, um die Arbeitsvorgänge am Fließband genauer zu untersuchen.
Taylor nutzte eine Stoppuhr, um jeden Handgriff der Arbeiter präzise zu messen. Er untersuchte, wie lange bestimmte Tätigkeiten dauerten, um die „bestmögliche“ Zeit für eine Aufgabe festzulegen.
So ähnlich kann man sich das heute auch bei KI-Arbeit vorstellen.
Arbeitest du mit KI für Geld und wird dein Output ständig bewertet, verlagert sich Kreativität immer stärker in Richtung Qualitätskontrolle.
Nur dass der Kontrolleur nicht immer der eigene Chef sein muss.
Man wird selbst automatisch zum Qualitätsmanager.
Taylor nannte das „Scientific Management“.
Die Frage dahinter war damals wie heute dieselbe:
Wie lässt sich Produktivität durch maximale Effizienz noch weiter steigern?
Infobox: Was wirklich gegen KI-Müdigkeit hilft
1. Timeboxing für KI-Sessions
Setze dir feste Zeitblöcke für die Arbeit mit KI. Zum Beispiel 60 Minuten.
In dieser Zeit nutzt du bewusst KI. Danach hörst du auf.
So vermeidest du, ständig neue Tools zu testen oder endlos an Prompts und Varianten herumzuoptimieren.
2. Die 70-Prozent-Regel
KI lädt zu endlosen Optimierungsrunden ein. Noch eine Variante. Noch eine Verbesserung.
Doch irgendwann reicht es.
Wenn ein Ergebnis zu etwa 70 Prozent gut ist, dann ist es gut genug. Hör auf, weiter daran herumzuschrauben.
3. Dokumentiere, wo KI wirklich hilft
Nicht jede Aufgabe wird durch KI automatisch besser.
Manchmal spart sie Zeit. Manchmal kostet sie mehr Zeit, als sie bringt.
Deshalb lohnt es sich, bewusst zu notieren, wo KI wirklich hilft – und wo nicht.
4. Weniger Tools, mehr System
Zu viele KI-Tools führen schnell zu Chaos.
In der Kognitionspsychologie nennt man das Kontextwechsel. Jedes Wechseln zwischen Tools kostet Fokus und Energie.
Besser ist ein System unter einem Dach, in dem du verschiedene Sprachmodelle und Anbieter je nach Anwendung testen, Prompts speichern und Projekte auch im Team teilen kannst – ohne ständige Wechselkosten.
Zum Beispiel mit Plattformen wie Langdock.
Fazit: Worauf du im Umgang mit KI achten solltest
KI ist ein unglaublich mächtiges Werkzeug. Du kannst Texte einsprechen, Inhalte speichern, Dinge automatisieren und Prozesse beschleunigen. Und ja: Du kannst dir damit eine Menge Zeit sparen.
Aber nur dann, wenn du zwischen all diesen Möglichkeiten bewusst Pausen setzt. Wenn du begrenzt. Wenn du klare Entscheidungen triffst.
Sonst ermüdet dein Gehirn.
Dabei geht es nicht nur um Output. Immer mehr Output ist nicht automatisch besser. Wenn heute schon tausende Kinderbücher auf Plattformen wie Amazon mit KI produziert werden, wird kein Mensch sie alle lesen.
Die entscheidende Frage lautet deshalb: Was willst du mit KI wirklich erreichen?
Wo nimmt dir KI tatsächlich Arbeit ab, wenn du ehrlich zu dir selbst bist?
Und wo probierst du nur ständig neue Tools und Modelle aus?
Konzentriere dich bewusst auf ein bestimmtes System oder Sprachmodell, statt ständig das nächste Experiment zu starten.
Entscheidend ist nicht die Zahl der Werkzeuge, sondern wie bewusst du sie einsetzt.
Echte Produktivität entsteht erst im Zusammenspiel.
Du bringst deine Fähigkeiten als Mensch ein: Denken, Entscheiden, Kreativität.
Die KI bringt ihre Stärken ein: Muster erkennen, große Datenmengen analysieren, Prozesse beschleunigen.
KI macht dich also nicht automatisch produktiver.
Produktiv wirst du erst, wenn du entscheidest, wie du sie einsetzt.
Infobox: Austausch zum Thema KI im Arbeitsalltag
Wenn du KI produktiver einsetzen möchtest, ohne dich in Tools oder Hypes zu verlieren, und wieder konzentrierter an deinen Projekten arbeiten willst, kannst du mir gern eine kurze, unverbindliche Mail schreiben.
E-Mail an: copydetektiv@marcusklug.de
Transparenzhinweis gemäß EU AI Act
Dieser Beitrag entstand im Dialog mit einem KI-Co-Autor auf der Grundlage von GPT-4o. Die Inhalte wurden gemeinsam reflektiert, strukturiert und sprachlich weiter ausgearbeitet. Die Verantwortung für Inhalt, Stil und Veröffentlichung liegt vollständig beim Autor.
Quellen und weiterführende Links
Graeber, David (2018): Bullshit Jobs: A Theory. New York City: Simon & Schuster.
Khare, Siddhant (2026): AI fatigue is real and nobody talks about it. Verfügbar unter: https://siddhantkhare.com/writing/ai-fatigue-is-real. Zuletzt abgerufen am 4. März 2026.
Parkinson, C. Northcote (1986): Parkinson’s Law: Or the Pursuit of Progress. New York: Penguin.
Taylor, Frederick Winslow (1911): The Principles of Scientific Management. New York: Harper & Brothers.
Bildnachweis
Das Aufmacherbild zu diesem Beitrag basiert auf einer persönlichen Zeichnung des Autors und wurde anschließend leicht mit ChatGPT nachbearbeitet.